media > Kunst im Garten (Ausschnitt)
 
 

klaus weber


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coverversion



Weit draußen, auf einer Lichtung in der Au, hockt ein Affe. Er sitzt auf einem Stapel Bücher und betrachtet einen menschlichen Totenkopf. Ein Zirkel und eine Glühbirne ergänzen das Arrangement auf Betonplatte. Die Installation ist eine Coverversion der Kleinskulptur des Berliners Hugo Rheinhold, eines "mäßig begabten" Bildhauers, der mit "Affe mit Schädel" 1893 in der Großen Berliner Kunstausstellung seinen (einzigen) Sensationserfolg hatte. Endlose Repliken zierten von da an zahlreiche Schreibtische, und selbst Lenin erhielt die anspielungsreiche Miniatur als Gastgeschenk vom amerikanischen Industriellen Armand Hammer. Auch Klaus Weber, ein Berliner, weiß, dass unterm Pflaster der Strand liegt. Er ist ein vielseitiger Konzeptkünstler und ein Laborant, der auf Basis unterschiedlicher, scheinbar harmloser Versuchsanordnungen ein Werk von bemerkenswerter Subversion vorweisen kann. Das Feld des Weber’schen Fragenkatalogs ist das Feld der Hypothese. Es reicht von getürkten Demos und Polizistenpflanz über Pilzkulturen (Trottoir-Champignons) und Glashäusern für bewusstseinserweiternde Pflanzen bis zu den Wirkungsmechanismen von Drogen ("Public Fountain LSD Hall") und akustischen Loops auf der Basis urbaner Sounds.

Der philosophierende Affe ist ein Motiv des 19. Jahrhunderts und verweist auf Charles Darwins Theorie, dass der Mensch vom Affen abstammt. Heute werfen sich diverse Fundamentalisten die These wieder gerne um die Ohren, und Klaus Webers Skulptur im Tullner Auwald möge, so der Künstler, als Kritik am anthropozentrischen Weltbild verstanden werden – und Raum zum Nachdenken bieten: Wer sind wir, und wie ist unser Verhältnis zur Natur und zur Welt?
(Brigitte Huck)
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