© Katrin Hornek Foto: Herbert Golser
© Katrin Hornek Foto: Herbert Golser
 

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camp NOSW



Mit ihrer Installation "Camp NOSW" bei der Donaubrücke in Klein-Pöchlarn thematisiert Katrin Hornek aktuelle Formen der Mobilität und des temporären Verweilens in allen ihren Ausprägungen – von prekär bis romantisch – und wirft die damit verbundenen Fragen nach den sozialen und politischen Hintergründen auf. In diesem Sinne, quasi als gedanklicher Einstieg in ein komplexes Denk- und Assoziationsgeflecht, spielt "Camp" auf das Leben in einem Zeltlager an. "NOSW" steht für die vier Himmelsrichtungen. Die Künstlerin errichtete neben dem Radweg Donaulände einen Mast, auf dem sie die vier Buchstaben N, O, S und W anbrachte. An der Spitze des Mastes befestigte sie ein sogenanntes Zweimannzelt, das sich je nach Windrichtung in einem Radius von 360° drehen kann. Bei viel Wind bläht es sich auf, bei Windstille hängt es herunter. In seiner Materialität, seinem physikalischen Verhalten und seiner farblichen Unterteilung in rote und weiße Ringe erinnert das Zelt an die in der Luftfahrt und im Straßenverkehr verwendeten Windsäcke, die Windrichtung und ungefähre Windstärke anzeigen. Ein solcher befindet sich auch oben bei der Brücke neben der Fahrbahn.

Gleichzeitig ist die Assoziation mit einem Symbol für ein Zeltlager möglich, so die Künstlerin: "Katastrophencamps, Campingurlaub, Flüchtlingslager, Sommercamps, Survivalcamps, Festivalcamps, Pfadfinderlager, Terroristencamps, Auffanglager, Forschungscamps. Camps sind stark durch die Zeit determiniert und liegen an der Schnittstelle zwischen Aufbruch und Ankunft, zwischen Sesshaftigkeit und Mobilität. Sie behausen oft positive wie negative Ausnahmezustände und platzieren sich an Peripherien. Sie verorten sich inhaltlich im Spannungsfeld politischer, militärischer und romantischer Extreme." Die Künstlerin suchte sich für ihre Installation im Rahmen der Initiative "Orte zum Verweilen" nicht ohne Grund die Donaubrücke aus: "Durch die Verknüpfung des sehr flüchtigen Ortes zwischen Transport- und Freizeitrouten – mit der Autobrücke, Geh- und Fahrradwegen inklusive Radspindel – werden hier unterschiedlichste Geschwindigkeiten und Nutzungsabsichten gebündelt." Sie geht die künstlerische Fragestellung also nicht dokumentarisch, sondern mit einer gleichzeitig analytischen und synthetischen Dialektik an: Zunächst einmal stülpt sie das lokale Leitthema "Verweilen" ins Negativ um, um es dann von allen Seiten genauestens zu betrachten und Verbindungen zu aktuellen gesellschaftspolitischen, die globale Ordnung betreffenden Fragen herzustellen.

Katrin Hornek studierte bis 2008 an der Wiener Akademie der bildenden Künste performative Kunst und Bildhauerei. Sie gehört zu jener jüngeren Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die sich das jeweils angemessene künstlerische Medium für ihre Arbeiten aussuchen. Hornek sichtet "neuralgische" Punkte, Lücken und Scharniere in Systemen. Davon ausgehend gelten für sie "unterschiedlich materialisierte Strukturen (oftmals Architektur) als Projektionsflächen", wie sie sagt. Als Referenzdisziplinen dienen dabei Natur- und Kulturwissenschaften. In Klein-Pöchlarn verknüpfte die Künstlerin die Verkehrssituation bei der Brücke mit dem Wind, der als natürlicher Motor den Windsack zur Metapher werden lässt. Je nach gedanklicher Annäherung ist diese systemkritisch oder poetisch wie auch ironisch lesbar.
(C.Offergeld)
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