regina möller


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großmugls katze



Für den Neubau des Kindergartens Großmugl (Entwurf von Franz Sam) konzipierte die Künstlerin eine drei Meter hohe, begehbare Holzskulptur in Form einer stilisierten Katze. Die Skulptur verkörpert gleichermaßen eine Protokatze, deren geheimnisvolle Eigenschaften Stoff für unzählige Volksdichtungen und mythologische Überlieferungen lieferte, und sie ist gleichzeitig ein Spielobjekt, das mit speziell für Kinderhände geformten Klettergriffen versehen ist. Die Kinder können die Kletterwand erklimmen, den Schwanz der Katze als Sitz oder Liegegelegenheit nutzen oder über ihren Rücken rutschen. Unweit der Katze hat Regina Möller einen Hügel aufschütten lassen, durch den ein Rohr, das sogenannte „Mauseloch“, verlegt wurde. Von hier aus können die Kinder die Katze aus der Mäuseperspektive erkunden. Auf der anderen, flachen Seite der Skulptur ließ Möller unterschiedliche Texte über Katzen mit piktogrammartigen Zeichnungen anbringen. Geheimnisvoll steht neben dem Bild einer Katze mit einer Maus: „Die Katze ist immer dann anwesend, wenn sie anwesend scheint.“ Dann wieder wird die Katze als Symbol für Sonne und Mond beschrieben. Und man kann lernen, dass Bastet, bei den Ägyptern als Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe verehrt, als Katze oder Frau mit Katzen- oder Löwenkopf dargestellt wurde. Die Kinder können die Katzenskulptur also gleichzeitig körperlich und geistig erschließen und werden durch die unterschiedlichen Formen von Informationen auf der Skulptur ermutigt, neben dem faktischen Wissen auch ihre Fantasie zu entwickeln.

Parallel zur Installation beim Kindergarten ist ein Skizzenbuch mit dem Titel „... für die Katz“ entstanden, das Regina Möller als „eine kleine Hommage an die Katze in jedem von uns“ bezeichnet. Das Buch ist erklärterweise keine „wissenschaftliche historische Abhandlung“, wie es im Vorwort heißt. Wie eine im Katalogformat angelegte Text-Bild-Collage enthält es neben prototypischen Produktentwürfen der Künstlerin eine assoziative Ansammlung von Zeichnungen, Fabeln, Theorien, Geschichten über das Wesen von Katzen und ihre symbolische Bedeutung bis hin zu einer Erzählung von Alfred Hitchcock. Dazu zeichnen und erzählen die Kindergartenkinder ihre eigenen Geschichten, und gleichzeitig wird auf Möllers Label „embodiment“ (deutsch: Verkörperung) verwiesen, unter dem die Künstlerin seit 1994 Kleidung, Tapeten, Möbel und Innenausstattungen entwirft, die im Grenzbereich zwischen Kunst und Design angesiedelt sind. In der Psychologie wird der Begriff „embodiment“ verwendet, um auf die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche hinzuweisen. Regina Möller untersucht mit diesem Medium die Verbindung zwischen dem Körper und seinem gesellschaftlichen Umfeld. Sie lädt die von ihr konzipierten Produkte mit neuen Bedeutungen auf und verbindet, in Anlehnung an die künstlerische Tradition des Bauhauses, funktionale Ansprüche von Produkten mit einer künstlerischen „Nutzlosigkeit“. „Jedes Produkt-Kunstwerk ist ein Prototyp von Möbel oder Kleidung, das gleichzeitig Skulptur ist“, so die Künstlerin. 1997 fertigte sie zum Beispiel ein Sommerkleid aus dem Verpackungsmaterial Tyvek an und verschloss es nur mit Stecknadeln, sodass die Endnutzung, als Kunstwerk hinter Glas oder als Kleidungsstück, offenblieb. Zeitgleich mit „Großmugls Katze“ und formal an diese angelehnt, entwarf Möller auch das Möbel „Katze-Prototyp“, das zum Sitzen wie auch als Tisch für Kinder verwendbar ist. Material und Oberflächengestaltung ist von den NutzerInnen zu bestimmen. Bereits 2001 hatte Regina Möller eine erste begehbare Skulptur für den alten Kindergarten in Großmugl konzipiert. Sie hatte die Kinder gebeten, Bilder zum Thema „Wo spiele ich am liebsten?“ zu zeichnen. Aus diesen heraus entwickelte sie ein Klettergerüst, auf dem ein Haus angebracht ist, das einer Kartonschachtel gleicht. Der Innenraum ist mit abwaschbarer grüner Kreidetafelfarbe gestrichen. Die auf der Außenseite in verschiedenen Sprachen angebrachten Begriffe „Wohnzimmer“ und „Kinderzimmer“ vermitteln den Kindern eine Idee von Multikulturalität.
Es wäre also falsch anzunehmen, dass Regina Möller die Intentionen des Bauhauses auf der Ebene der Rückbesinnung auf das Handwerk und der damit verbundenen Ästhetisierung der Alltagswelt weiterführt. Vielmehr versteht sie Kunst als gesellschaftliche, partizipative Praxis, in der sich Kategorisierungen wie „Kunst“ und „Alltag“ als überflüssig erweisen.
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