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Ausgangspunkt für Peter Sandbichlers Skulptur Schwarze Schafe ist die Legende des heiligen Koloman. Es handelt sich dabei um die Geschichte eines Pilgers, der auf seiner Reise von Irland ins Heilige Land Halt in Stockerau gemacht hat. Aufgrund seiner Andersartigkeit, seiner fremden Sprache und Kleidung, wurde der Reisende für einen Vaterlandsverräter gehalten und von den Einheimischen zum Tode verurteilt. Die Legende besagt, dass sein Leichnam nicht verwesen wollte und dass sich zahlreiche Wunder um seinen Körper eingestellt haben sollen. Dies ist auch der Grund, warum Koloman in der damals neu errichteten Kirche in Stockerau beigesetzt und später heilig gesprochen wurde. Die Geschichte von Koloman steht bis heute für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und seine Reliquien gelten als Mahnmal.

Mit Schwarze Schafe knüpft Peter Sandbichler jedoch nicht nur bei der Stadtgeschichte an, sondern auch beim baulich-architektonischen Gefüge des Kleinen Marktplatzes, an dem der Brunnen installiert wurde. Das Straßenpflaster des historischen Kerns von Stockerau hat der Künstler in Form von Betonquadern im Brunnen wiederaufgenommen. Die unterschiedlichen Höhen der grauen Elemente, die sich auf den ersten Blick fast unsichtbar in das Gesamtbild des Platzes einschreiben, bilden ein Sammelbecken für frisches Wasser. Der leicht abschüssige Boden wird vom Künstler dazu verwendet, das gesammelte Wasser als nivellierendes Element im Brunnen einzusetzen. Was Höhe ist wird zur Niederung und was Niederung ist wird zur Höhe. Mit 140 Betonkuben wirkt Peter Sandbichler dem Gefälle des Geländes entgegen – er leistet ihm Widerstand. Abgesehen von der stadtgeschichtlichen und räumlichen Situation nimmt Peter Sandbichler mit Schwarze Schafe aber auch auf die Funktion des Kleinen Marktplatzes Bezug. Selbst wenn dieser Platz in der Geschichte von Stockerau einmal ein Ort sozialer Interaktion gewesen sein muss, so wurde er in den vergangenen Jahren nur wenig von den BewohnerInnen als solcher genutzt. Es handelt sich dabei um einen Durchgangsort, dem keine besondere Funktion innerhalb der sozialen Gemeinschaft zugeschrieben wird. Ähnlich wie Sandbichler dem Gefälle des Bodens durch das Arrangement der Betonkuben entgegenwirkt, wirkt er mit der Positionierung des Brunnens innerhalb der Stadt der Funktionslosigkeit des gesamten Platzes entgegen – auch in diesem Fall leistet er Widerstand.

Peter Sandbichler errichtet mit Schwarze Schafe eine Skulptur, die das Potenzial für soziale Interaktion hat. Einzelne Elemente laden zum Sitzen und Verweilen ein, sie dienen Gesprächen zwischen den BewohnerInnen von Stockerau, sie dienen dem Austausch mit FreundInnen und Bekannten, sie dienen aber auch – ganz im Sinne des heiligen Koloman, dessen Statue sich im Wasser des Brunnens reflektiert – dem Austausch mit dem Unbekannten, Fremden und Anderen. Peter Sandbichler unterbreitet den BewohnerInnen von Stockerau mit Schwarze Schafe einen Vorschlag. Ob sich die BetrachterInnen des Brunnens darauf einlassen, ob sie ihre Position von BetrachterInnen in BenutzerInnen verwandeln, ob sie das Mahnmal gegen Fremdenfeindlichkeit zur Diskussion nutzen und Widerstand leisten und ob der Brunnen schließlich ein "Anknüpfungspunkt im richtigen Leben" der StockerauerInnen wird, liegt bei den Einzelnen.
(Franz Thalmair)
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