heliane wiesauer-reiterer


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teilung eines würfels [01]



Der Titel der achtteiligen Steinskulptur "Teilung eines Würfels [01]" informiert in aller Sachlichkeit über deren äußere Umstände: Heliane Wiesauer-Reiterer ließ aus dem Urgestein in Prägraten (Osttirol) einen Würfel aus Serpentinit von einem Kubikmeter Größe herausschneiden und durch nur drei zentrierte Schnitte in acht Kuben zu je 50 x 50 x 50 Zentimeter zerteilen.

Diese Kuben hat die Künstlerin nun in Breitenfurt auf einem kleinen Wiesenstück bei der Volksschule in einem Kreis mit einem Durchmesser von sieben Metern aufgestellt. Der Zusatz "[01]" zum Titel ist ein Hinweis darauf, dass die Skulpturengruppe in Breitenfurt von der Künstlerin als Anfang für ihr Projekt "Orbit Cube_Earth Art [2012 ff.]" gedacht ist. Für dieses sollen immer wieder Würfel von einem Kubikmeter Größe geteilt und die daraus hervorgehenden Kuben über die ganze Welt verteilt aufgestellt werden. Die Aufstellung in einem Kreis wurde speziell für Breitenfurt konzipiert und ist keinesfalls eine Vorgabe für das global angelegte Projekt. Denn jeder einzelne Kubus ist ein "Original" und "Multiple" zugleich. So sollen die Kuben auch einzeln für sich stehen und untereinander ein unsichtbares Netz formen – als eine weltumspannende Installation. Die Teilung des Würfels entspricht dabei einem künstlerischen Prinzip, das sich durch das gesamte Werk Heliane Wiesauer-Reiterers zieht: "Der Begriff Teilung beinhaltet für mich ästhetische, soziale, ethische und politische Dimensionen und Inhalte. Durch Teilung eines Ganzen entstehen mehrere kleinere Teile, die Energie, Synergien und einen großen Aktionsradius einnehmen. Der Raum vergrößert und erweitert sich."

"Teilung" bedeutet im künstlerischen Werk von Heliane Wiesauer-Reiterer aber auch ein Reduzieren auf das Wesentliche. Dieses Werk ist geprägt von sich bedingenden Gegensätzen wie Vernunft und Gefühl, Kunst und Natur. Es umfasst Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie. Wiesauer-Reiterers Grundthemen sind die Menschen und ihre Existenz, die Natur sowie auch der Raum an sich. So minimalistisch eine Arbeit auch erscheinen mag, der Weg, der zu ihr führt, ist ein komplexer. Die Künstlerin geht vom Menschen und von der Natur aus und kehrt dorthin wieder zurück. Mal ist sie durch einen gestischen Farbauftrag unmittelbar in das Kunstwerk eingeschrieben, mal tritt sie als Autorin vollkommen in den Hintergrund. So fällt die Breitenfurter Skulptur in den Bereich einer konzeptuellen Kunst. Heliane Wiesauer-Reiterer tritt bei ihrer Herstellung nicht als klassische Bildhauerin auf, die den Stein bearbeitet. Zwar suchte sie diesen im Steinbruch aus, das Aus- und Zerschneiden ließ sie jedoch von anderen durchführen. Lediglich ein letzter Feinschliff sowie die Einmeißelung der Signatur stammen von der Hand der Künstlerin. Die Gestik in der Oberflächengestaltung überließ sie der Natur. Denn jeder Würfel ist mit seinen zahlreichen Adern und Einschlüssen einzigartig. Man könnte diesen Prozess paradigmatisch für das gesamte künstlerische Schaffen Heliane Wiesauer-Reiterers sehen. Was auch immer sie tut, sie legt innere Strukturen frei und macht diese sichtbar.
(Cornelia Offergeld)
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