sepp auer


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brunnengestaltung in ybbsitz



Sepp Auer hat den Baumbestand am Ufer des Prollinbachs um einen sechs Meter hohen stilisierten Baum aus Chromnickelstahl erweitert. Der auf seine wesentlichen Merkmale reduzierte Baum ist mit einer Pumpe versehen, die Wasser aus dem Bach hochpumpt und durch speziell für die Plastik entwickelte Düsen über die Äste wieder in die Natur abgibt. Anders als bei herkömmlichen Brunnenanlagen, bleibt der Baum in der kalten Jahreszeit in Betrieb und wird durch eine integrierte Sprühdüse in ein zartes Gespinst aus Eis gekleidet.

Ybbsitz ist ein Ort, dessen Geschichte seit dem 15. Jahrhundert eng mit dem Schmiedehandwerk verbunden ist. Als Lehrender an der Wiener Universität für angewandte Kunst hat Sepp Auer in Ybbsitz mit Studierenden einige Symposien zum Thema Metall veranstaltet. Den künstlerischen Ergebnissen dieser Zusammenkünfte kann man immer wieder vor Ort begegnen. Als der Bildhauer 1998 einen geladenen Wettbewerb für die Gestaltung der Brunnenanlage auf dem Marktplatz von Ybbsitz gewann, konzipierte er diesen Brunnen aus Granit – in der ihm eigenen minimalistischen Formensprache. Die aktuell entstandene Brunnenplastik ist anders, auch wenn die Klarheit in der Grundhaltung des Künstlers die gleiche bleibt. Die Aufgabenstellung war, ein Objekt mit dem Element Wasser zu konzipieren. Sepp Auer ging also den Ort inspizieren und muss wohl eine Weile beim Prollinbach verweilt sein, um dort zu erkennen, dass dieser nicht nur eine wichtige Rolle für Ybbsitz und seine Schmiedekunsttradition spielt, sondern dem Ort gleichzeitig einen malerischen Reiz verleiht. Und so hat er den Baumbestand am Ufer des Bachs um einen sechs Meter hohen stilisierten Baum aus Chromnickelstahl erweitert. "Die Gedankengänge sollen greifbar sein", sagt der Künstler. Der auf seine wesentlichen Merkmale reduzierte Baum ist mit einer Pumpe versehen, die Wasser aus dem Bach hochpumpt und durch speziell für die Plastik entwickelte Düsen über die Äste wieder in die Natur abgibt. Anders als bei herkömmlichen Brunnenanlagen, die man bei Minusgraden "einwintern" muss, bleibt der Baum in der kalten Jahreszeit in Betrieb. Da läuft er zur Hochform auf und wird durch eine integrierte Sprühdüse in ein zartes Gespinst aus Eis gekleidet. Das Eisgespinst bahnt sich seine eigenen Wege. Wer hätte gedacht, dass eine sechs Meter hohe Metallskulptur so zart und fragil wirken kann? Sepp Auer ist ein Künstler mit einer besonderen Gabe, einen Ort in seiner Bedeutung und Materialität zu verstehen. Bei seinen Werken für den öffentlichen Raum hat das Umfeld immer Priorität. Nichts ist dort von der Ironie zu orten, die den minimalistischen Objekten des Bildhauers anhaftet, die wir in Ausstellungsräumen finden können. Dort fügen sie sich als nur vermeintliche Nutzgegenstände ein und werfen die Frage nach den Bedeutungen auf, mit denen Objekte für uns beladen sind. Klassisch formuliert, hat Sepp Auer in Ybbsitz eine Kunstschönheit in die Naturschönheit platziert und diese wiederum den Gesetzen der Natur unterworfen. Man muss sich also nicht für die eine oder die andere Art von Schönheit entscheiden. "Es geht um eine gewisse Haltung, um sonst gar nichts", sagt der Künstler. Mit dieser Aussage hat er zu einer dritten Art von Schönheit gefunden.
(Cornelia Offergeld)
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