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die haderer



Umgeben von schmuckvollen Renaissance-, Gotik- und Barockhäusern steht Daniel Spoerris neue Bronzeskulptur "Die Haderer" unweit seines Ausstellungshauses und seines Esslokals auf dem Hauptplatz von Hadersdorf am Kamp. Zwei 600 Kilogramm schwere Zwitterwesen, deren Rümpfe und Gliedmaße an menschliche Körper in Raumfahrtanzügen erinnern, scheinen auf einem mächtigen Sockel aus Urgestein miteinander zu kämpfen. Statt mit Köpfen und Händen sind die Körper mit Krabbenscheren ausgestattet.

Die Figuren seien aus seiner "artifiziellen, transformatorischen Auseinandersetzung mit Formen aus der Tier- und Pflanzenwelt" heraus entstanden, sagt Daniel Spoerri.
Der Titel der Skulptur erinnert unweigerlich an den Namen des Ortes. Geht man der Sache auf den Grund, findet man heraus, dass das Wappen von Hadersdorf aus einem Missverständnis – vielleicht könnte man sagen, aus einem historschen Zufall – heraus entstand: In Unkenntnis der wahren Bedeutung des Ortsnamens – in einer Urkunde von 1136 wird der Ort nach den Herren von Nöstach-Schwarzenberg, den Haderichen, noch "Haderichsdorff" genannt – gab nämlich im Jahr 1514 Kaiser Maximilian I. dem Ort sein Wappen, das zwei miteinander kämpfende (hadernde) Landsknechte zeigt. Nun hat der Künstler den Hadersdorfern mit seinen zwei kämpferischen Figuren eine Skulptur gewidmet, die es erlaubt, einen Faden zur Geschichte des Ortes zu spinnen. Aber dies mag auch ein Zufall sein.

Eine formale Besonderheit der Skulptur ist, dass die Luftkanäle, in denen bei jedem Guss das überschüssige Metall aufsteigen kann, in die Komposition mit einbezogen werden. Dieses Metall bleibt nach dem Guss stehen und bildet ein Gitter, das sich in unregelmäßiger Ausprägung um die Figuren spannt und den Herstellungsprozess der Skulptur sichtbar macht. Stilistisch erinnert "Die Haderer" damit an Spoerris Werkgruppe der "Prillwitzer Idole", große Bronzefiguren, die seit 2005 entstehen. Auch diese gehen auf eine Art Missverständnis in der Geschichte zurück. Die originalen "Prillwitzer Idole", auf die sich Daniel Spoerri bezieht, stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es sind Bronzeskulpturen und bronzene Reliefplatten, die man für slawische Götzenbilder aus dem 11. Jahrhundert hielt. Gleichzeitig künstlerische Innovationen, waren es auch Fälschungen, von denen sich viele Menschen täuschen ließen.
Daniel Spoerri hat eine große Affinität zum Zufall des Alltags, den er in Assemblagen und Materialcollagen seit den 1960er-Jahren unter anderem mit seinen "Fallbildern" festhält. Seit den 1990er-Jahren entstehen vermehrt auch großen Bronzefiguren. Als Begründer der "Eat Art" und Mitbegründer des Nouveau Réalisme hat er mit seinem komplexen künstlerischen Werk nicht weniger als die ganze Welt, ihr Werden und ihr Vergehen im Auge. Tradierte Wahrnehmungsmuster werden konsequent und unermüdlich in einem Gesamtkunstwerk infrage gestellt, das Alltag in die Kunst sowie Kunst in den Alltag integriert.
(Cornelia Offergeld)
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