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herbert golser


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mondrohr
installation in der landschaft bei schönberg



Das "Mondrohr" auf dem Kalvarienberg zwischen Schönberg und Stiefern verbindet die Eigenschaften eines überdimensionalen Fernrohrs und einer Lichtquelle. Man kann es von beiden Orten aus sehen, vor allem in der Nacht, wenn nach Eintritt der Dämmerung ein weithin sichtbarer künstlicher Vollmond aufleuchtet. Bei Tag kann man durch das Rohr von der einen Seite auf die andere schauen. So simpel die Idee scheint, so komplex durchdacht ist sie: Ein Wellstahlrohr aus verzinktem Stahl mit einer Länge von 12 Metern und einem Durchmesser von 2,5 Metern, das sonst im Tiefbau – etwa bei Unterführungen oder Wasserdurchläufen – eingesetzt wird, liegt quer über dem Kamm des Kalvarienbergs und verbindet den steil Richtung Stiefern abfallenden Nordhang mit dem Schönberger Südhang. Das Rohr ist an beiden Seiten mit Sicherheitsglas verschlossen. Ein Zeitschalter reagiert auf die Lichtverhältnisse: Mit Einsetzen der Dämmerung schaltet sich ein Licht im Rohr an und zu Mitternacht wieder aus. Die Innenwände des Rohrs dienen dabei als Reflektoren für die Scheinwerfer. Dadurch wird ein homogenes Licht erzeugt, das einen in der Nacht glauben macht, einen Mond zu sehen.

Nachdem Herbert Golser mit der Konzeption eines Kunstwerks für den Kalvarienberg beauftragt worden war, vergingen bis zur Fertigstellung Jahre, die der sorgfältigen Begutachtung des Geländes und des Umfeldes sowie Fragen des Naturschutzes und der Produktion gewidmet waren. Die Auftraggeber hatten den Wunsch nach einem Kunstwerk geäußert, das als künstlerisches Zeichen nach Möglichkeit sowohl von Schönberg als auch von Stiefern aus sichtbar sein sollte. Nachdem der Künstler zu allen Jahreszeiten die Landschaft genau beobachtet hatte, kannte er schließlich die Bäume mit und ohne Laub und wusste, wie hoch ein Objekt über die Baumgrenze hinausragen müsste, um von den Dörfern aus sichtbar zu sein. Die Vorstellung einer massiven Vertikalität in der Natur schreckte ihn ab. Er wollte etwas Unhierarchisches schaffen, das sich in die Natur einfügt.

Nicht ohne Grund wurden in dieser besonders reizvollen Landschaft im 18. Jahrhundert von beiden Dörfern ausgehend zwei Kreuzwege errichtet, die oben auf dem Hügel zusammentreffen. Historisch gesehen steht der Kalvarienberg also gleichzeitig für eine Trennung wie auch für eine Verbindung zwischen den beiden Orten. Golsers Objekt erneuert diese Verbindung mit einem zeitgenössischen künstlerischen Eingriff und überwindet die Trennung über den Luftraum, indem er die Baumgrenze an einer geeigneten Stelle durchdringt und dadurch vielfältige Formen des Sehens ermöglicht. Denn die Sicht durch das Rohr vom Südhang aus auf die Nordseite ermöglicht zusätzlich eine Selbstsicht vor dem Hintergrund der Landschaft: Je nach Standpunkt der schauenden Person überlagern sich durch eine Spiegelung die Bilder von Stiefern, Schönberg und sich selber. Unvermeidlich entstehen Überschreitungen von Realitätswahrnehmungen.

Herbert Golsers Skulpturen und Objekte aus Holz und Metall in Naturlandschaften gehen aus einer intensiven Auseinandersetzung des Künstlers mit der Natur sowie deren Bedingungen hervor. Indem sie unter Einbeziehung menschlicher Interaktion zu einem Teil der Landschaft werden, ermöglichen sie ihren Betrachtern neue Formen der Naturwahrnehmung und sind gleichzeitig poetische Zeichen.
(Cornelia Offergeld)
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