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adriane wachholz


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coming home
fassadengestaltung beim landespflegeheim mödling



"Coming Home" ist der Titel der installativen Wandmalerei an einer der Außenfassaden des Landespflegeheims Mödling. Die gesamte Fassade ist mit einer Malerei überzogen, die man für ein abstraktes Farbmuster halten könnte, wären da nicht die formal reduzierten weißen Vögel, die sich deutlich erkennbar aus dem Hintergrund herauslösen. Sie zwingen, genauer hinzuschauen und einen Wald zu erkennen, der sich aus vier Farbebenen – zwei verschiedenen Grautönen sowie einem Grün und einem Hellblau – zusammensetzt. Die Farben stehen für unterschiedliche Dämmerungszustände und die damit verbundenen Farbveränderungen in der Natur.

Adriane Wachholz erzeugt einen illusionistischen Raum, den sie mit dem realen Raum verwebt. Zunächst zieht sie uns mittels einer pointierten Licht- und Schattenmalerei in ihr Bild hinein, sodass man sich förmlich unter den Vögeln stehend wähnt und nicht mehr weiß, wo der Obstgarten, der an das Haus angrenzt endet. Mitten in dieser gemalten Landschaft taucht die reale Welt in Form von drei Fenstern mit leuchtend gelben Fensterläden auf. Durch die perspektivisch unterschiedliche Darstellung der Fensterläden – die drei linken sind aufgemalt und die drei rechten aus Aluminium konstruiert – wird diese Realität jedoch auch wieder unterwandert. Wie in einem Vexierbild werden die Grenzen zwischen dem Innen und dem Außen durchlässig. Vor allem in der Nacht scheint sich die Baumasse des Pflegeheims in einen Wald zu verwandeln, vor dem die Fenster schweben. Beim Einsetzen der Abenddämmerung löst ein Zeitschalter pulsierendes Licht hinter den Fenstern aus. Auch wenn nach sechs Uhr abends für viele BewohnerInnen des Hauses die Nachtruhe beginnt, soll man doch ahnen, dass sich hinter der Fassade ein vielschichtiges Leben verbirgt.

Der Wald auf der Fassade ist eine Art sinnbildliches Fenster, eine Brücke zwischen dem Inneren des Heims und dessen BewohnerInnen sowie der Außenwelt. Haus und Umgebung werden von der Künstlerin als eine Einheit deklariert. So erinnern die kleinen hellen, flockenartigen Formen im Bild an Kirschblütenblätter, die von den Bäumen aus dem nahen Garten stammen könnten. Die Vögel und die weit geöffneten Fensterläden symbolisieren ein belebtes, offenes Haus. Auch verweist Adriane Wachholz auf die Funktion des Pflegeheims, das sie sich wie ein Vogelnest vorstellt: "In der Natur wie im Pflegeheim geht es um die Versorgung, Unterstützung und Betreuung, um Gemeinschaft und das Schaffen einer sicheren Umgebung", sagt die Künstlerin.

Indem Adriane Wachholz Realität und Illusionen verbindet, lenkt sie den Blick auf bestehende Räume und erweitert ihn gleichzeitig in Richtung Metaphysik. Die parallele Beschäftigung mit dem Innen und Außen, mit dem Haus als privatem Rückzugsort und mit der Natur zieht sich durch ihr Schaffen. Ihre Arbeiten gestaltet die Künstlerin oft wie Bühnenbilder. Medien wie Zeichnung, Malerei, Skulptur und Videoprojektion werden kombiniert, Wirklichkeit und Täuschung ineinander verschränkt. Aufwendige großformatige Trompe-l’oeil-Zeichnungen wechseln sich mit formalen Reduktionen ab. Oft werden architektonische Versatzstücke oder Landschaften mit Grafit gleich auf die Wand gezeichnet und mit Videos von der Außenwelt, wie Filmen von Bäumen oder vom Himmel, die die Künstlerin auf die Zeichnungen projiziert, überlagert.
(Cornelia Offergeld)

2016 erweiterte Adriane Wachholz - unter Zuspruch des Personals und der Bewohner_innen - die Wandmalerei an der Fassade des Landespflegeheims.
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