anita leisz



hws wiese



Ein Lindenbaum, eine Straßenlampe, zwei Mistkübel, eine Bank, zwei Betonquader (einer davon mit Holz beplankt) und Fahrzeugspuren – die von Anita Leisz eingesetzten Elemente für ihr Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt in Niederösterreich sind so unspektakulär wie der Titel selbst: HWS-Wiese (Hochwasserschutz-Wiese). In der Ausstattung und im Namen deutet sich bereits ein gewisser Pragmatismus an – ganz im Sinne eines Handelns, das in erster Linie praktischen Erwägungen folgt.

Über die Auswahl der Gegenstände und ihre Materialität stellt Leisz gezielt Verbindungen zur Situation vor Ort her: zum örtlichen Kreisverkehr (Straßenlampe), zum Schwimmbad (mit Holz beplankter Quader), zu den an der Donau flanierenden Passantinnen und Passanten, die Mistkübel, Schatten oder auch nur ein ruhiges Plätzchen suchen. Und die Betonquader beziehen sich in Material und Höhe direkt auf die Hochwasserschutzmauern entlang der Donau. Mit wetterbeständigen Mistkübeln und einer windgeschützten Bank knüpft Leisz zwar an ein praktisch orientiertes Umfeld an, doch finden sich auch entscheidende Differenzen: in den Details, in der Materialität, der Farbe, der Herstellung und in der Konstellation der Dinge zueinander. So ist die Bank kürzer als üblich. Die grauen Mistkübel sind aus Email und eine Traktorspur wurde aus Beton gegossen und anschließend mit Erde bedeckt. Einer der Mistkübel ist unter der Straßenlaterne aufgestellt, so als würde er von dieser beleuchtet. Erst bei näherer Betrachtung und vor allem im Gebrauch – indem man sich etwa auf die Bank setzt oder etwas in den Mistkübel wirft – werden die Unterschiede zum Umfeld spürbar, fallen sorgfältige Verarbeitung und Materialität auf. Der funktionale Mistkübel entpuppt sich letztendlich etwa als eine Skulptur mit Funktion. Die Gegebenheiten bilden für die Künstlerin den Ausgangspunkt, einen Ort herzustellen, der zur Auseinandersetzung mit dem Vertrauten und Unvertrauten einlädt.
(Barbara Steiner)


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