Foto © Herta Hurnaus
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anna wickenhauser / henny liebhart-ulm


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von eins zu zwei



Die barocke Kapelle von Maria Siebenbrünn liegt an der Via Sacra, dem ältesten Pilgerweg Österreichs. Seit ihrer Fertigstellung 1729 machen hier WallfahrerInnen halt, um vom Wasser der den Namen gebenden sieben Quellen zu trinken. Man glaubte an die heilende Wirkung des Wassers. Und so gehörte zu dem historischen, aus der Kapelle sowie Wohn- und Wirtschaftsräumen einer Einsiedelei bestehenden Ensemble ein auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegendes Brunnenhaus. Es war mit einem muschelförmigen Becken aus Marmor und vermutlich einer Marienfigur ausgestattet, über deren Verbleib nichts bekannt ist. Als 2012 auf Betreiben des Zisterzienserstifts Lilienfeld ein Wettbewerb für die Neugestaltung des Brunnenhauses ausgeschrieben wurde, war vom ursprünglichen Bau nur mehr das Wasserbecken erhalten, denn das Gebäude war bei einer Straßenverbreiterung 1979 an seinen jetzigen Standort auf die andere Straßenseite verlegt worden. Sehr wahrscheinlich wurde damals auch das barocke Holzrelief mit der Darstellung einer Geißelungsszene, das die Kunst- und Architekturhistorikerin Henny Liebhart-Ulm und die Architektin Anna Wickenhauser im Brunnenhaus vorfanden, dazugehängt. Die übergeordnete Herausforderung bestand für das Planungsduo darin, eine Form zu finden, die die bautypologischen Eigenschaften der historischen Anlage berücksichtigt und gleichzeitig einen eigenen zeitlichen Kontext entwickelt. Dazu mussten die architektonischen Eingriffe der 1970er-Jahre rückgängig gemacht werden, um die Bedeutung des Ursprungsensembles mit zeitgenössischen Materialien visuell erfassbar zu machen.

Das Wasserbecken und das Relief wurden also wieder voneinander getrennt und in zwei eigenständigen „Einhausungen“ aus sandgestrahlten Beton-Fertigteilen auf einem gemeinsamen Sockel aus Waschbeton installiert. Für den Holzschnitt, ursprünglich Teil eines Rosenkranzweges, wurde der Bautypus des Breitpfeilerbildstocks und für das Wasserbecken jener der Giebelkapelle aufgegriffen. Obwohl die beiden Baukörper durch ihre Materialität und die auf das Wesentliche reduzierte Form eine klare Einheit bilden, deuten sie doch unmissverständlich die barocke Hierarchie zwischen Sakral- und Nutzbauten an, die sich in den unterschiedlich geneigten Dachgiebeln und gestaffelten Höhen des historischen Ensembles widerspiegelten. Dessen einzelne Gebäude waren in verschiedenen Winkeln locker zueinander angeordnet. Die Neubauten sind, jeweils in einem schrägen Winkel zur Via Sacra hin geöffnet, leicht voneinander abgewendet. So können beide Artefakte von den Wanderinnen und Wanderern bereits von Weitem gesehen werden: das Holzrelief vom Berg, das Wasserbecken vom Tal aus. Der Bildstock, als sakrales Element, ist schmaler und höher als das Brunnenhaus und hebt sich durch einen weiteren Sockel ab.

Das Türnitzer Brunnenhaus erinnert an die bewusst schmucklos gehaltenen Kirchen und Klosterbauten der Zisterzienser, die ebenso durch Einfachheit und Funktionalität auffielen wie durch ihre intelligent angelegte ästhetische Raumwirkung. Durch seine stereometrische Form und den Einsatz des an Schlichtheit kaum zu übertreffenden Materials Beton kann der Baukörper „als Fehlstelle oder Platzhalter für das nicht mehr Erhaltene gelesen werden“, so Henny Liebhart-Ulm. Gleichzeitig eröffnet sich dadurch die Möglichkeit einer Neuinterpretation, die einem zeitgenössischen architektonischen Anspruch gerecht wird: Die Gebäudeformen verweisen nicht nur auf die lokale Baugeschichte, sondern auf einer abstrakten Ebene auch auf die traditionellen Gebäudetypen und ihre Funktionen. Durch die Verbindung von Funktionalität und Strukturanalyse wird ein Dualismus von Konkretisierung und Abstraktion überwunden. Auf einer Metaebene wird das Erzählen von Geschichte durch Architektur an sich thematisiert, um dann mit Moos und Patina eine eigene zu entwickeln.
(Cornelia Offergeld)
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