Foto © Lisa Rastl
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Foto © Wolfgang Wössner
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elvedin klačar


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masse der klasse



"Masse der Klasse" nennt Elvedin Klačar seine interaktive Skulptur im Hof der Landesberufsschule Neunkirchen. Klačar hat mit ihr eine entsprechende Form für seine künstlerische Versuchsanordnung zum Begriff der Masse gefunden, an der die Schüler_innen und natürlich auch die Lehrer_innen partizipieren können. Hinter der "Masse der Klasse" steckt – das ist offensichtlich – die Idee der "Klasse der Masse", also der Bedeutung von Masse.
Mit der Skulptur bezieht sich Klačar auf „Masse und Macht“ (1960), dem viel beachteten Hauptwerk von Elias Canetti. Ausgehend von seiner intensiven Wahrnehmung der Massenbewegungen in den 1920er-Jahren, hatte sich der Schriftsteller zu fragen begonnen, wie sich Macht – vor allem in totalitären Staatsformen – konstituiert und wieso die Massen ihr folgen und gehorchen. Er beschreibt Massenphänomene als Folgen der Dynamik, die in einem Moment entsteht, in dem alle "ihre Verschiedenheiten loswerden und sich als gleiche fühlen". (Elias Canetti)
Überlegungen dieser Art sind Elvedin Klačars geistige Nahrung. Die Grundform seiner Skulptur im Schulhof bildet ein 3 x 3 x 3 Meter großer Kubus, der durch einen Rahmen aus Aluminiumprofilen definiert ist. Die obere Hälfte des Kubus ist leer, die untere Hälfte durch unterschiedlich hohe, mit Aluminium überzogene Podeste gefüllt. Alles zusammen liegt auf einer im Sockel verstecken Industriewaage, die bis zu 5000 Kilogramm messen kann. Klačar hat 40 Gewichtseinheiten von 0 bis 150 Kilogramm festgelegt und diesen verschiedene Zitate aus „Masse und Macht“ zugewiesen. Sie scheinen auf einer digitalen Anzeige unten im Stiegenhaus des Wohnheims auf, wenn sich mehr als eine Person auf der Skulptur befindet – also sich eine Masse zu formieren beginnt.
Es besteht kein Zweifel, dass da eine wahre Masse vor uns liegt. Die Qualität dieser „Masse“ ist, dass sie über ihre physikalische Bestimmung hinauswachsen kann, über ihre Funktion als Sitzobjekt und abstrakte Skulptur, über ihre Bedeutung als künstlerisches Zeichen für eine Schule, die vorwiegend Metallbearbeitung und Metalltechnik lehrt, zu einem Forschungsmedium in Sachen „Masse und Macht“. „Erst durch das Betreten der Installation wird sie zu einem politischen Objekt", sagt der Künstler, "die Zitate konfrontieren die Schüler_innen nicht nur mit der Bedeutung von Macht, sondern auch mit der Frage, welche Rolle das Individuum im Kollektiv spielt.“ Das Buch „Masse und Macht“ hat Elvedin Klačar als Teil der Installation in der Schule aufgelegt.
Der öffentliche Raum erweist sich als ideales dynamisches Spielfeld für Klačars künstlerischen Denk- und Aktionsradius. In seinen Arbeiten bezieht er sich performativ wie skulptural gleich einem Anthropologen auf Erfahrungen, die das alltägliche Leben der Menschen begleiten und prägen. Der Künstler tritt über Kommunikation und Handlung in den Kunstdiskurs ein. An der Interaktivität interessiert ihn der Moment der Entscheidung, etwas zu tun oder nicht zu tun. Macht, soziales Verhalten und Gesellschaftssysteme sind seine zentralen Themen. Elvedin Klačar beobachtet und interagiert, lässt interagieren und experimentiert dabei in viele Richtungen, vorzugsweise – auch das ist in Neunkirchen zu sehen – auf eine spielerische Art.
(Cornelia Offergeld)
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