Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?" Gansbach, 2018 © Katrin Plavčak
 

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Kommt der Komet oder kommt er zu spät?



Katrin Plavčaks Falco-Denkmal namens Kommt der Komet oder kommt er zu spät (ein Falco-Zitat) besteht aus einem dreiteiligen Szenenbild: einer vier Meter hohen Falco-Silhouette, einem massiven Stein daneben und einem Scheinwerfer.
Ein massiver, grün schillernder Serpentinit übernimmt die Rolle des Kometen, die Wucht seines Aufpralls ist dem aufgerissenen Boden eingeschrieben. Die Falco-Skulptur steht unbeschadet daneben, auf den Schuhspitzen balancierend. Ihre vier Metallseiten mit jeweils einer silbrigen und einer schwarzen Seite sehen aus, als wären sie mit leichter Hand nur ineinandergesteckt worden. Falcos vier Arme sind auffordernd ausgestreckt, die stilisierten Finger gespreizt. Dass es auf diese Geste hinauslaufen würde, erkannte Plavčak, als sie sich mit Falcos Körpersprache auseinandersetzte. „Er nahm Standbilder ein“, sagt sie.
Und so fing sie auch den allumfassenden Gestus der großen Ära der Popmusik ein und brachte ihn in das Dorf im Dunkelsteiner Wald, wo Falcos Vater Alois Hölzel bis heute lebt und sich die Bevölkerung ein Denkmal für Falco wünschte.
Heutigen Popstars gelingen solche allumfassenden Gesten kaum noch. Wir haben keine millionenfach verkauften Platten mehr im Schrank, die uns mit ihren Covers und eingelegten Texten Informationen und Codes über Moden, Gefühle und Haltungen liefern und Gefühl der Gemeinschaft stiften. Wir singen immer seltener Lieder, die alle kennen. Das Gedenken an Falco muss auch an die Kulturtechniken erinnern, aus denen diese Gestalt hervorging. So ist es folgerichtig, dass Plavčaks Kunstwerk nicht um Falcos Antlitz kreist, nicht um seine Probleme oder den Faltenwurf seiner Helmut-Lang-Anzüge. Die Jugend, die sich auf dem neu geschaffenen Falco-Platz trifft, informiert sich im Internet über ihn. Dass dies stumm geschieht, dass der Raum der Musik bzw. Jugend leise geworden ist und dass Differenz und Distinktion, die in der Ära der Platten wertvoll war wie Gold, nunmehr mit Misstrauen belegt wird, ist ein weiterer Unterschied, den wir zwanzig Jahre nach Falcos Tod eklatant bemerken.
Plavčak war wichtig, „dass es eben kein schweres Trumm ist, das in Gansbach steht“. Sie habe an die Worte des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder denken müssen: „Große Skulpturen müssen Leichtigkeit haben.“
Da Plavčak einen bunten Scheinwerfer dazugestellt hat, spielen auch nachts Licht und Schatten mit der Skulptur. Das Bild verändert sich im Wechsel der Tageszeiten wie ein launischer Popstar, und man kann nach Gansbach reisen, um sich in Falcos Schatten zu stellen. (Sara Khan)


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