Ramesch Daha, "06.04.1945", Krems Stein, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
Ramesch Daha, "06.04.1945", Krems Stein, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Vincent Entekhabi
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
© Ramesch Daha, 2018 Foto: Woessner
 

ramesch daha


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06.04.1945



»06.04.45« ist der schlichte Titel der über 100 Meter langen Wandmalerei von Ramesch Daha auf der Mauer der Justizanstalt Stein. Alles andere als »schlicht« ist die Geschichte, die hinter dieser Zahl steht. Am 6. April 1945 ging ein Massenmord in Krems-Stein als eines der sogenannten »Endphasenverbrechen« des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte ein. Die dafür gebräuchliche Bezeichnung »Kremser Hasenjagd« steht für die Form der erbarmungslosen Hatz, bei der die Waffen-SS, Wehrmacht und SA unter aktiver Mithilfe lokaler NS-Funktionäre hunderte, kurz zuvor aus dem Zuchthaus Stein entlassene, überwiegend politische Häftlinge sowie den Direktor und drei Gefängniswärter ermordeten.

Ramesch Daha hat Fragmente des Strafgefangenenregisters aus den Jahren 1944 und 1945 auf die Mauer des Gefängnisses mit blauer Farbe übertragen. Die einzelnen Seiten des Registers, in dem die Häftlinge der Justizanstalt aufgelistet wurden, erscheinen so wie vergrößerte Blaupausen, wobei die Schriftzüge derart weich gezeichnet sind, dass die Namen gerade noch als solche aufscheinen, aber nicht mehr lesbar sind. Am 6. April 1945 hatte der Anstaltsleiter des Zuchthauses Stein
den Erlass, »gewöhnliche Kriminelle« im Hinblick auf das absehbare Kriegsende zu enthaften, weit ausgelegt und die Freilassung aller Gefangenen angeordnet. Wachbeamte informierten den Kreisleiter von Krems über einen vermeintlichen Häftlingsaufstand. Die meisten Entlassenen wurden zurück ins Gefängnis gedrängt und die in Panik geratenen Menschen erschossen. Auf alle anderen, die sich noch in der Umgebung befanden, wurde eine Jagd gemacht, an der sich nicht nur der »Volkssturm«, sondern auch Personen aus der Zivilbevölkerung beteiligten.

Wie bei anderen Arbeiten Dahas gingen der Konzeptfindung intensive investigative Arbeitsschritte voran. Dabei stellte sie fest, dass es für die Geschichte des Ortes bis heute kein deutlich sichtbares Zeichen der Aufarbeitung gibt. Diesem Mangel folgend, wandte sich die Künstlerin an den Historiker Robert Streibel, dem das historische Strafgefangenen-Register vorlag und der sein Archivmaterial für die spezifische Arbeit an der Gefängnismauer zur Verfügung stellte. Ramesch Daha vergrößerte das Register ins Überdimensionale. Darüber hinaus lässt sie die Auflistung jedoch unkommentiert für sich stehen. Wie bereits der Titel der Arbeit vermittelt, verzichtet sie auf Deutung wie auf narratives Pathos, sondern setzt einem unfassbaren Verbrechen die Faktizität einer schlichten Aufzählung entgegen, durch die das Ausmaß der menschlichen Katastrophe in vollem Umfang spürbar werden kann.
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