49 Years after Death – a Brief History of Art


In der endgültigen Ausführung der multifunktionalen Installation "49 Years after Death – a Brief History of Art" des Prager Künstlers und Theoretikers Jiři Přihoda im imaginären Museumsraum und Außenraum des "A9 forum transeuropa" im Ostflügel des MQ quartier21 war noch ein starker Nachhall der Definition des komplexen Raumes, ein Ausmessen des "space", zu spüren. Es handelte sich bei der Arbeit des international angesehenen tschechischen Künstlers um eine Gruppe von prozesshaften Untersuchungen der Thematik Öffentlichkeit und Kunst mittels narrativer und symbolhafter Tafeln, Beschreibungen und Beschriftungen, Fotoinstallationen, steinerner Gedenktafeln, roter Teppiche etc. Bei der Konzeption war Jiři Přihoda um eine Beiläufigkeit bemüht, die er dann in einen vielschichtigen Kontext mit der in Teilen recht monumentalen Bildsprache von "49 Years after Death" brachte. Der Raum sollte nicht als institutionalisierter Raum für Kunst begriffen werden, sondern als ein Platz, eine öffentliche Straße, ein Eingang, eine Passage, wo Leute, nicht notwendigerweise Leute, die auf dem Weg in die großen Museen waren, "can stop by ". Das Projekt wirkte nicht unbedingt wie eine "seriöse" Kunstinstallation, sondern als ein mit sensitiver Balance ausgestatteter "Gedenkraum", um dem "sarkastischen Ernst" und dem "ernsten Sarkasmus" des Ansatzes gerecht zu werden. Die narrativen, inhaltlichen Komponenten wurden ohne größere Verfremdung sichtbar – trotz der Verflechtung mehrerer inhaltlicher Stränge aus der Psychentiefe-Dimension des Autors als potenziellen Opfers der Geschichte und Einwohners der Metaebenen der Kunstphilosophie.
Ein Fokus der Arbeit Přihodas war die Sprengung des bombastisch-riesigen Stalin-Monumentes auf der Prager Letna nach dem ersten Chruschtschow’schen "Tauwetter" 1962 durch die Prager. Der Sprengmeister Přihoda (kein Verwandter des Künstlers) und die Prager mussten große "kryptomagische" Auflagen erfüllen. Ein Vertragswerk stellte viele Bedingungen der sowjetischen Machthaber zu der Handhabung der Relikte (Reliquien): So durften keine Trümmer des monströsen Bauwerkes für "profane" Bauten verwendet werden. Auf einer großen Fotoleinwand stellte Jiři Přihoda eine nach langen Recherchen gefundene "verbotene" Originalfotografie der Sprengung des Stalin-Monumentes in einen Kontext mit der CNN-Meldung über die Vernichtung der Buddha-Monumental-Skulpturen durch die fundamental-islamischen Taliban in Afghanistan.
"A billboard of the CNN broadcasting station announcing the destruction of the monumental Baimian Statues of Buddha by the Taliban regime in Afghanistan. The image implemented in the CNN broadcast frame does not show the destruction of the actual Baimian Buddhas but the destruction of the Stalin monument (Jiři Přihoda).
Die Spurensuche zum Thema führte zu Funden von Originalbüchern stalinistischer Theoretiker über bildende Kunst:
"The crucial parts of my project are some documentary shots of the Stalin Monument at Letna and its destruction. And I am very interested in doing some kind of project dealing with the crazy topic of the socialistic realism and sculpture. To be exact, that manifestation of communist madness from a time that looks so far away but which is still very much present in each of us ( Czechs). In my library I found original books on communist visual art theory, because I tried to work with this topic during the late 1980s, and some of the theories in those books still sound absolutely unbelievable." ( Jiři Přihoda)
Platten aus grauem mährischem Marmor mit in goldenen Lettern eingemeißelten Texten der stalinistischen Kunstdoktrin befanden sich aufgereiht, quasi über der Asche der erhofften Freiheit der Künste eingefriedet, auf dem "roten Teppich der Mächtigen" auf dem "Vorplatz" der Sprengung – sozusagen die "geerdete" Perspektive.
"Excerpts from the theoretical texts follow the history of modern art from the end of the 19th century till the year 1953 – the year of Stalin’s death."(Jiři Přihoda)
Zitat aus der stalinistischen Kulturtheorie (P. Sysojew), von Přihoda auf einer Marmorplatte festgehalten: " Einige Bildhauer, die Unterstützung der "linken" Künstler (der "Proletenkultur") nutzend, versuchten, Denkmäler im kubistischen oder primitivistischen Geiste zu schaffen. Diese Denkmäler riefen den Ärger und die Proteste des Massenzuschauers hervor. Bald verschwanden sie von den Stadtplätzen und Parks ... Die kubistische Entartung kam in den Denkmälern der Bildhauer Korolew, Rachmanow und Tatlin klar zum Ausdruck. […] Unter dem Deckmantel der proletarischen Kultur zwangen sie den Arbeitern den sinnlosen und entarteten Geschmack des Futurismus auf."
Die politische Dimension von Kunst im öffentlichen Raum äußert sich manchmal leise, zu anderen Zeiten mit Getöse. Die Unmittelbarkeit der ausgewählten Orte ist ein Indikator der Kommunikation der Macht, aber auch des Widerstandes. Aufbau und Fall der Monumente bilden die Begleitmusik der tausendjährigen Reiche bis zu deren eventueller Wiederentdeckung durch den Kulturtourismus.

Kurator: Wolfgang Denk

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