Position: Rumänien

Dass die Dokumentationsausstellung „Position: Rumänien“ einen brisanten kulturpolitischen Hintergrund haben würde, war von vornherein nicht abzusehen. Als Präsentation zeitgenössischer rumänischer Produktion war sie ein Beitrag der Ausstellungsreihe „Public Art Transeuropa“, die verschiedene europäische Konzepte von „Public Art“ bzw. „New Genre Public Art“ der langjährigen Arbeit in Niederösterreich gegenüberstellte. Mit einem Teil des Projektgeldes von „Position: Rumänien“ wurden KünstlerInnen zu einem mehrtägigen Studienaufenthalt nach Wien eingeladen, die auch am Eröffnungstag noch anwesend waren, der just – am 23. Oktober 2003 – mit dem Staatsbesuch von Ion Iliescu und einer zu diesem Anlass für drei Tage von Mihai Oroveanu, Kurator für zeitgenössische Kunst in Bukarest, im Wiener Parlament veranstalteten Ausstellung „Rumänische Malerei der Gegenwart“ zusammenfiel. „Dracula im Parlament“ übertitelte die Wiener Stadtzeitung „Falter“ diese Koinzidenz, die nicht nur auf den beabsichtigten Dracula-Themenpark, sondern überhaupt auf künstlerische Aktivitäten in Parlamentsgebäuden anspielte, hat doch in Bukarest die besonders in Künstlerkreisen ob ihrer Konzeptlosigkeit kritisierte Sammlung moderner bzw. zeitgenössischer Kunst ihren Sitz in der Casa Poporului Ceausescus.
„Position: Rumänien“ war eine von Dan und Lia Perjovschi in Kooperation mit mir zusammengestellte Dokumentation. Die beiden Künstler, die durch viele internationale Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen bekannt sind, betreiben seit Jahren das caa (contemporary art archive), das ebenso offenes Atelier wie Archiv- und Projektraum ist und in Rumänien mit all seinen schwindenden materiellen, sozialen und kulturellen Ressourcen eine wichtige Vermittlerrolle innehat. Das caa weist auch die charakteristische Struktur der für das Land typischen Vernetzungstendenzen auf, die in Festivals, in den Fernsehauftritten der Perjovschis sowie in den Zeitungspublikationen von Lia Perjovschi – sei es in Projektdokumentationen, in ihrer Globen-Sammlung bzw. in kunsthistorischen Charts, in denen sie deutlich die Situation in Rumänien reflektiert –, zum Ausdruck kommen. Auch „Position: Rumänien“ wurde von einer Zeitung – „Short Guide“ – begleitet, in der ca. 30 zeitgenössische Positionen aus Rumänien im weit gesteckten Feld des Thematisierens von „Öffentlichkeit“ vorgestellt wurden. In der Ausstellung waren Plakate von Mind Bomb, Fotoarbeiten von Cosmin Gradinaru, Mircea Cantor bzw. Cristina Coleasa, Publikationen von Ioan Godeanu, von Protokoll, von Periferic/Vector, Videos von Cristi Puiu sowie der Gruppe H.arta, die ihren Projektraum in Timisoara zeigten, und Arbeiten im Raum von Peter Szabo oder Sorin Vreme zu sehen, um nur einige zu nennen. Auch auf kuratorische Arbeiten wie Judit Angels „Intern“ von 1995, einem Stadtprojekt in Arad, wurde fallweise verwiesen. Gezeigt wurden neben Videos und Fotoarbeiten viele Folder, Karten, Broschüren sowie Kataloge und Zeitschriften. Printmedien spielen innerhalb der rumänischen Produktion eine große Rolle, in denen Bild, Text und Grafik oft gleichrangig und meistens journalistisch eingesetzt werden. In der Ausstellung waren sie als großes sichtbares wie unsichtbares Netzwerk zu spüren – wenngleich man in Betracht ziehen muss, dass das ebenso wichtige Feld der Performance hier fehlte.

Kuratoren: Susanne Neuburger in Kooperation mit Dan und Lia Perjovschi
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