twotiming
Oliver Hangl


Ausstellungsreihe
Alltagskultur und Gegenwartskunst im museumORTH
kuratiert von Hilde Fuchs
20. Mai bis 1. November 2012

In einer Reihe von Versuchsanordnungen beschäftigt sich der Wiener Medien- und Performancekünstler Oliver Hangl mit den Phänomenen der dualen Wahrnehmung und der Verdoppelung. Die in der Kunst der Renaissance eingeführte Zentralperspektive bedeutete eine Individualisierung des Bildgeschehens. Die Betrachter blickten von nun an wie durch das Auge des Künstlers auf ein bestimmtes Motiv. Größenverhältnisse bildeten bloße Entfernungen ab und nicht mehr etwa den sozialen Status einer Figur.

Oliver Hangl greift das Motiv der Zentralperspektive und des Rasters auf, um es ins Wanken zu bringen. Der lateinische Begriff Individuum benennt das Unteilbare, ein Ableger aus dem gleichen Genpool wird als Dividuum bezeichnet. Oliver Hangl präsentiert in der vorliegenden Ausstellung ein absurdes Theater der Dividuen, ein spektakuläres Tast-, Hör-, und Schau-Spiel der Paare, Doubles und Doppelgänger. Der menschliche Organismus beruht auf einem symmetrischen Bauplan. Unsere physische Ausstattung besteht aus zwei Gehirnhemisphären, zwei Armen, zwei Beinen, zwei Augen, zwei Ohren, etc. Ohne die paarweise Anordnung unserer Sinnesorgane wäre eine räumliche Orientierung kaum möglich. Wir hören und sehen in Stereo. Der Abstand zwischen unseren Augen ermöglicht unserem Gehirn, Entfernungen abzuschätzen. Die einander gegenüberliegenden Ohren erlauben eine Ortung von Geräuschquellen.

Oliver Hangl nutzt technische Apparaturen, die sich diese Wahrnehmungs-phänomene des Dualen zunutze machen. Das Motiv der Verdoppelung wird von ihm sowohl mittels der Motivauswahl als auch durch die verwendeten Techniken bearbeitet. Darüber hinaus werden aber auch die einzelnen Werke noch gespiegelt und paarweise angeordnet; jeder Arbeit steht ein Zwilling gegenüber. Was den Künstler dabei vorrangig interessiert, ist nicht die perfekte Kopie, sondern es geht um die kleinen Fehler, die unvermeidbaren Unregelmäßigkeiten, die Phasenverschiebungen, das Rauschen im System. Diese Werke entstehen erst durch die Betrachtung ausschließlich im Gehirn der RezipientInnen. Das linke und das rechte Bild zeigen jeweils etwas anderes, das Mischbild, die Geister und Doppelwesen treten erst im Moment der Betrachtung in den Köpfen des Publikums in Erscheinung. Die Stereofotografien, die in den Fenstern zu sehen sind, produzierte Oliver Hangl vor Ort mit BewohnerInnen von Orth eigens für diese Ausstellung.

Oliver Hangl nutzt unterschiedliche Ausdrucksformen und präsentiert ein multi-sensuales Setting, bestehend aus Rauminstallationen, Skulpturen, Gedichten, Pop-Songs, Mini-Dramen, Fotografien und Performances. Die überaus komplexe und vielschichtige Thematik wird von ihm auf kurzweilige und teils ironische Art und Weise abgehandelt. Oliver Hangl bedient sich unter anderem künstlerischer Strategien, die man je nach Fasson als Kommentar, Zitat oder Imitat auslegen kann, er flicht mannigfaltige kultur- und kunsthistorische Bezüge in die Werkgruppen ein, die zu entdecken und zu identifizieren wir getrost dem geschätzten Publikum überlassen.
(Norbert Pfaffenbichler)
© Oliver Hangl Foto: Woessner

© Oliver Hangl Foto: Woessner

© Oliver Hangl Foto: Woessner

© Oliver Hangl Foto: Woessner

© Oliver Hangl Foto: Woessner
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