Wunderkammer
Ingeborg Strobl

Ausstellungsreihe
Alltagskultur und Gegenwartskunst im museumORTH
kuratiert von Hilde Fuchs
3. Juli bis 1. November 2017

Ingeborg Strobl (1949–2017) greift in ihrer Ausstellung mit dem Begriff der "Wunderkammer" auf die Vorläufer unserer Museen zurück, in denen Kuriositäten aus Natur und Kunst gleichwertig miteinander existierten, es also keine Spezialisierung und Segmentierung wie heute gab. Dabei schwingt keine Melancholie oder Nostalgie über eine verloren gegangene Einheit zwischen Geschichte, Natur, Kunst und Wissenschaft mit, auf die man wieder zurückkommen sollte. Die Künstlerin neigt nicht zu nachträglicher Geschichtsverklärung. Im Gegenteil weist Strobl in einem von ihr zur Ausstellung verfassten Text darauf hin, dass unsere saturierte Gesellschaft, deren Konsum- und Profitgier sie kritisiert und ablehnt, auf einer düsteren und problematischen Geschichte, nämlich jener des Kolonialismus und Imperialismus basiert. Es ist dies eine nach wie vor andauernde Geschichte der Ausbeutung, Unterdrückung und Bevormundung der Fremden und Anderen, deren Folgen wir nun selbst immer stärker zu spüren bekommen.
Das Erstaunen, das Strobl mit ihrer Wunderkammer auslöst, hat zwar mit der ursprünglichen historischen Bewunderung außergewöhnlicher Dinge zu tun, aber sie vermittelt uns das Außergewöhnliche dort, wo wir es gewöhnlich nicht vermuten. Es findet in ihrer Kunst eine Profanierung und Umkehrung feudaler und sakraler Aura statt. Nicht im Überirdischen wird hier nach Wunderdingen gesucht, sondern das gewöhnliche Leben selbst wird als außergewöhnliches Wunder mit genug Verwunderlichem darin erkannt. Dazu gehört eine Aufmerksamkeit für das Unauffällige und Unaufdringliche, das nicht in den Gegenständen allein auffindbar ist, sondern in den Geschichten, die Strobl mit ihnen erzählt oder die sich in ihnen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer ursprünglichen Rolle verbergen.
Häufig sind es Objekte mit Naturbezug, die auf menschliche Projektionen in die Natur- und Tierwelt verweisen. Nippes- und Kitschfiguren sind darunter, eine nur allzu menschlich zurechtgelegte Naturwelt, in der sich die menschliche Gesellschaft Spiegelbilder ihrer selbst erschafft. Zu erkennen ist auch eine besondere Sensibilität für Papiere und Textilien, also für eher fragile Materialien. Als in London ausgebildete Keramikerin und profunde Cineastin überschreitet Strobl spielerisch die Grenzen der sogenannten bildenden Kunst. Die Stillleben ihrer Wunderkammer sind beredte Zeugen ihres offenen Kunstbegriffes.
Mit den Augen Strobls gesehen, ist die Welt an und für sich eine Wunderkammer, aber eben nicht nur eine des Schönen und Guten, sondern auch eine voller Leid und Unglück, denen man in Nischen entkommen kann, wie sie in ihrem Text selbst schreibt. Witz und Humor sind dabei entscheidende Facetten und eine scharfe Waffe gegen vordergründige Moralisierung und didaktische Erstarrung.
(Rainer Fuchs)
© Ingeborg Strobl Foto: Woessner

© Ingeborg Strobl Foto: Woessner

© Ingeborg Strobl Foto: Woessner

© Ingeborg Strobl Foto: Woessner
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