Let's Sink
Da Leo Schatzl sich schon lange für die Förderung von und Zusammenarbeit mit selbstbestimmten Künstlergruppen und Denkfabriken interessiert, entschloss er sich, seine Artist’s Residency im Rahmen des wellenklaenge-Festivals nicht als ein einzelner Künstler wahrzunehmen, sondern unter dem Projekttitel "Let's Sink" eine Gruppe seiner Universitätsstudenten nach Lunz am See einzuladen, um ihnen während des Festivals vor Ort eine Plattform für die Realisierung ihrer Projekte anzubieten.

Mit realisierten und nicht realisierten Projekten von:
Maximilian Anelli-Monti, Katharina Gruzei, Julia Hartig, Alex de las Heras, Eginhartz Kanter, Rainer Noebauer, Sun Li Lian Obwegeser und Antonia Prochaska, on/on, Christine Pavlic .

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Foto: Katharina Gruzei, Grafische Gestaltung: Sun Li Lian Obwegeser
Leo Schatzl hat ein fundamentales Interesse an der Idee der sozialen Skulptur und dem transformativen Potenzial der Kunst. Er tritt für eine radikale Erweiterung der Möglichkeiten von und für Kunst in der Gesellschaft ein. Zusammen mit seinen Studenten verwandelte er die Artist’s Residency während der Wellenklaenge in ein Abenteuer. So war er in der Lage, seine Auseinandersetzung mit Wasser als einem öffentlichen Raum zu vertiefen – einer der künstlerischen Fragenkomplexe, der ihn im Moment am stärksten beschäftigt – und die Vorstellungen von physischen und bürokratischen Grenzen zu hinterfragen.

Die Studenten ihrerseits konnten unabhängig von den greifbaren Resultaten nützliche Erfahrungen sammeln, die ihnen in ihrer künstlerischen Entwicklung weiterhelfen werden. Einige Studenten, wie Maximilian Anelli-Monti, dessen ursprüngliche Idee nicht realisiert wurde, wurden in anderer Hinsicht unverzichtbar für das Projekt. Er erstellte zum Beispiel eine gewissenhafte fotografische Dokumentation von Let’s Sink, die die Basis für die meisten Bilder einer Postkartenedition war und die die vielen Etappen im Verlauf des Projekts festhielt.

Walt Whitman schrieb 1876-77: "Wenn du ausgekostet hast, was auszukosten war in Geschäft, Politik, Geselligkeit, Liebe und so fort, und fandest, daß keines von diesen restlos befriedigt oder auf die Dauer taugt, was bleibt dann? Die Natur bleibt…". Leo Schatzl und seine Studenten verkörpern den unabhängigen Geist des amerikanischen Philosophen und den fortwährenden Glauben an das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben. Ihre Kunst, auf eine sanfte Weise subversiv, humorvoll und hinterfragend, verwischt die Grenzen zwischen Design, Funktion, Wissenschaft, Technologie und Nützlichkeit. Was von Let’s Sink bleibt, ist der Nachweis der Möglichkeit, in seiner eigenen Einflusssphäre eine Veränderung anzustoßen. Während die grundlegende Frage, die wir im 21. Jahrhundert stellen müssen, offenbleibt: Kann unsere Natur, die menschliche Natur, der Natur tatsächlich erlauben, bestehen zu bleiben?
(R.Gadsen)