© Florian Pumhösl
© Florian Pumhösl
© Florian Pumhösl, Foto: Joanna Pianka
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© Florian Pumhösl, Foto: Joanna Pianka
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© Florian Pumhösl, Foto: Joanna Pianka
© Florian Pumhösl, Foto: Joanna Pianka
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florian pumhösl


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mahnmal



Das Mahnmal entstand vor dem Hintergrund der Geschichte des Gebäudes des heutigen WasserCluster Lunz, dem Universitätszentrum für die Erforschung aquatischer Ökosysteme, das ab Sommer 1940 als neu gebautes Gaujugendheim unter anderem als Organisationszentrale für die Lunzer Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend verwendet wurde. Das Projekt ging aus einer Initiative des WasserCluster in Kooperation mit der Abteilung Kunst und Kultur / Kunst im öffentlichen Raum des Landes Niederösterreich hervor.

Gedenken & Zeitgenössische Kunst
Lunz ist nicht nur ein beliebter Ort für die Sommerfrische, sondern mit dem WasserCluster Lunz auch Standort einer renommierten Forschungseinrichtung, die nun mit einem Mahnmal die Vorgeschichte des Areals thematisiert.
Die Arbeit von Florian Pumhösl reflektiert die Existenz eines NS-Ausbildungslagers für Jugendliche an eben dieser Stelle und greift hierzu auf die ortsübliche Sgraffito-Technik zurück. Dabei unterstreicht der Künstler die Bedeutung der demokratischen Bildung der Jugend für die zukünftige Gestaltung der Gesellschaft und verweist auf die Verantwortung jedes Einzelnen, die Rechte in einer Gemeinschaft zu schützen.

Vorgeschichte
WasserCluster Lunz trat an Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich mit dem Wunsch heran, die Vergangenheit rund um das Gebäude sichtbar zu machen und eine reflektierte Auseinandersetzung zu ermöglichen. 1940 wurde ein Gaujugendheim errichtet, das unter anderem als Organisationszentrale für die Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend diente. 14- bis 18-jährige Burschen wurden hier militärisch ausgebildet und mit Vorträgen nationalsozialistisch „geformt“. Sowohl der Leiter des Lunzer HJ-Lagers als auch der HJ-Gebietsführer vom Gau Niederdonau waren später an massiven Kriegsverbrechen beteiligt.
Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich – die in Lunz neben der Seebühne auch zahlreiche temporäre Projekte unterstützt hat – fördert seit mehr als dreißig Jahren zusammen mit Gemeinden, Vereinen und Initiativen eine aktive Erinnerungskultur mit den Mitteln der Kunst. In Niederösterreich wurde so bereits eine Vielzahl künstlerischer Projekte in diesem Kontext realisiert.

Künstlerische Umsetzung
Der international renommierte Künstler Florian Pumhösl verwendet für seine Werke häufig historische Themen als Grundlage und bezieht originales Quellenmaterial mit ein, das er reduziert, neu ordnet oder in ungewohnte Zusammenhänge stellt, um so eine Neubetrachtung zu ermöglichen. So auch in Lunz: Auf den ersten Blick fügt sich eine weithin sichtbare, auf einer Wiese stehende Wand durch die regional gebräuchliche Sgraffito-Technik durchaus in die Umgebung ein. Dem weißen Verputz ist hier aber kein ornamentales Muster eingeschrieben, sondern ein Ausschnitt des Stimmzettels für die „Volksabstimmung zur Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ am 10. April 1938.
Die Volksabstimmung war weder frei noch geheim. Sie schloss viele Menschen aufgrund der rassistischen Bestimmungen aus, und die wenigen Wahlberechtigen, die den Mut besaßen, dieser Wahl und damit dem NS-Regime mit einem Nein entgegen zu treten, wie der Lunzer Wilhelm Mathes, waren unmittelbaren Konsequenzen ausgesetzt. Zur gleichen Zeit fand bereits eine organisierte Indoktrinierung der Bevölkerung und vor allem der Jugend statt.
Die schlichte, doch weit sichtbare Markierung von Florian Pumhösl inmitten der Narzissenwiese ordnet die Geschehnisse in und um Lunz während des Dritten Reiches in einen größeren Zusammenhang ein. Pumhösl weist damit auf eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung hin, die jede Generation von neuem tragen muss. Das Wandbild ist bewusst auf die beiden für die Abstimmung verwendeten Wahlmöglichkeiten reduziert: ein großer Kreis dem Ja und ein kleiner Kreis dem Nein. Einzig die verwendete Frakturschrift verweist auf die historische wie politische Dimension des Bildes und macht sie gleichzeitig unübersehbar. Umgeben von der malerischen Umgebung fügt sich die Wand in die Landschaft und bricht gleichzeitig aus ihr heraus – macht Bewohner*innen wie Besucher*innen bewusst, dass Verantwortung füreinander nirgends aufhört und demokratische Rechte immer geschützt werden müssen, weil sie kein natürlicher Umstand, sondern ein von Menschen erkämpftes Gut sind.



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