Foto © Hubert Lobnig
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Foto © Wolfgang Wössner
Foto © Wolfgang Wössner
Foto © Wolfgang Wössner
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iris andraschek


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wohin verschwinden die grenzen? / kam mizí hranice?



Zentrum der Konstruktion war für zwei Jahre eine Arbeit, die vorwiegend mit Laiendarsteller_innen mit Migrationshintergrund in Čížov inszeniert wurde, wo ein letzter Rest musealisierter "Eiserner Vorhang" steht. Die Fotografien wurde im Herbst 2012 – mittlerweile von Wind und Wetter verblichen – wieder abgenommen. Eine Wiederaufnahme und Weiterführung des im Jahr 2009 gestarteten Projekts erscheint sinnvoll, hat sich doch die Diskussion seit damals weiterbewegt und zugespitzt. Die Grenzübergänge innerhalb der Schengenländer sind zum Großteil real abgebaut und alles, was landläufig an Grenze im klassischen Sinn erinnert, ist verkauft und demontiert worden. Die Grenzhäuser wurden privatisiert, die Anbauten, Befestigungen, Schranken, Kontrollhäuschen etc. zerlegt und abtransportiert. Damit ist ein Stück Zeitgeschichte verschwunden – ein Umstand, der uns zu Zeitzeugen macht. Wir sind innerhalb der EU ein gutes Stück freier geworden, aber auch beklommen in Anbetracht der Flüchtlingsströme aus Kriegs­ und Krisengebieten und in Vergegenwärtigung der andernorts neu errichteten Zäune und Mauern. Die Festung Europa versucht, sich an den Außengrenzen gegen Eindringlinge abzuschotten, und beauftragt internationale Sicherheitsfirmen mit der Überwachung ihrer Grenzen, deren Sicherung dem Aufgreifen und Abschieben von Übertreter_innen, Überläufer_innen und Überfahrer_innen sowie der Erhaltung des Status quo für uns Europäer_innen dient. Verschiedene Staaten bauten unüberwindbare Mauern, andere überlegen deren Errichtung. Modernster Stacheldraht und meterhohe Sicherheitsbarrieren sichern die Außengrenze in Marokko, wo das "Grenzproblem" überhaupt an ein Nicht-EU­Land ausgelagert wurde. Täglich lesen wir von immer noch höheren Zahlen von umgekommenen und aufgegriffenen Personen, die in der Hoffnung auf ein neues Leben an unsichtbaren, aber nicht minder effektiven Grenzen gescheitert sind.Die Frage "Wohin verschwinden die Grenzen?"/"Kam mizí hranice?" ist 2014 virulenter denn je. Die Arbeit ist der Versuch, bei allen berechtigten Feierlichkeiten zum Fall des Eisernen Vorhanges Aufmerksamkeit auf die neuen Grenzen und Mauern zu richten und sich der Bedeutung eines kontinuierlichen Engagements für den Frieden bewusst zu werden.
Wir haben Künstler_innen aus Tschechien, Polen und Österreich eingeladen, mit ihren Arbeiten auf vergangene, gegenwärtige und zukünftige Grenzdiskurse zu verweisen und diese zu reflektieren.
(Iris Andraschek und Hubert Lobnig)

Katrin Hornek
The Park Ranger, Banff National Park, Rice Studio, 2012, Fotografie auf Dibond, Courtesy the artist
"The Park Ranger" zeigt den zuständigen "Surveillance Manager" und Wildtier-Biologen des Banff National Park, wie er im Fernsehstudio des Banff Centers posiert. Hornek inszeniert die Szene in Anlehnung an Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde "Der Mönch am Meer". 200 Jahre später wird der Ausblick auf die unendliche Weite des Horizonts durch den "studio green screen" ersetzt.


UPSTREAM, HD-Video, 28,5", 2014, Videostill, Fotografie auf Dibond, Courtesy the artist (Kamera, Schnitt, Konzept: Katrin Hornek. Ton, Komposition: Wilm Thoben.)
Der Colorado River spielt in der mythenumwobenen Eroberung des amerikanischen Westens eine große Rolle. Landwirtschaft, Trinkwasser­ und Elektrizitätsversorgung hängen im wüstenreichen Südwesten der Vereinigten Staaten bis heute stark vom Wasserregime des Colorado River ab. Mit dem Law of the River wurden 1922 die politischen Weichen für den Fluss gestellt. Durch dieses Gesetz wurden die Wassermengen zwischen den angrenzenden Bundesstaaten und Mexiko rationiert, und es wurde dadurch auch entschieden, welche Gebiete sich ökonomisch entwickeln können und welche Wüstenlandschaften bleiben. Als Hauptschaltzentrale des Flusses gilt der Hoover Dam. Flussaufwärts bildet der Grand Canyon das natürliche Denkmal des Flusses. Flussabwärts an den Ausläufen im Süden wird der Großteil des noch verbleibenden Colorado River über den All­American Canal als konstruierten Grenzfluss zwischen Mexiko und Amerika ins Imperial Valley – das riesige, künstlich bewässerte Getreideanbaugebiet Kaliforniens – umgeleitet. Durch die Übernutzung erreicht der Colorado seit den 1960ern kaum noch das Meer, sondern versiegt in den großindustriellen Feldern vor der mexikanischen Grenze.

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