© Ines Doujak Foto: Wolfgang Woessner
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ines doujak


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landgrabbing / landraub / landnahme



Im historischen Kontext nennt man es „Landnahme“ oder explizit „Landraub“, auf Englisch „Landgrabbing“, wenn in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern von Afrika bis zu den Philippinen die BewohnerInnen – teilweise gewaltsam – von ihrem Land vertrieben werden, damit es ausländischen Investoren etwa für Plantagen oder Rohstoffminen verpachtet oder verkauft werden kann. Alleine in den Jahren 2001 bis 2010 wechselten rund 230 Millionen Hektar Ackerland in Ländern des globalen Südens auf diese Art die Besitzer. Die Folgen waren und sind für die Ernährung der lokalen Bevölkerung verheerend.

Ines Doujak thematisiert die gegenwärtig weltweit explosionsartig zunehmende Praxis der Inbesitznahme von Grund und Boden unabhängig von Eigentumsverhältnissen im Schlosspark Grafenegg in Form einer temporären Installation. Diese mutet zunächst wie ein Lehrpfad für Pomologie an, der stationsartig durch das Gelände des Schlossparks führt: An den Stämmen von 38 Bäumen hängen ca. 70 x 120 Zentimeter große Tafeln, auf denen ästhetisch äußerst ansprechende Zeichnungen von alten, zum Teil nicht mehr existenten Apfelsorten, Repliken von alten Buchillustrationen, abgebildet sind. Bei genauerem Hinsehen verlieren sie jedoch ihre idyllische Wirkung. Über die Abbildungen sind Originalzitate von „Landräubern“ und deren Kritikern gelegt, die sich auf die Enteignung und Vertreibung ländlicher Bevölkerung auf der ganzen Welt – insbesondere durch Konzerne, Staaten oder Investoren – während der letzten 400 Jahre beziehen. Unter anderem ist da zu lesen: „Wir werden Getreide importieren, ganz Europa hängt von Getreideimporten ab … Den Ukrainern liefern wir Kopftücher, Glasperlen als Schmuck und was sonst Kolonialvölkern so gefällt“ (Adolf Hitler, Monologe, 1941). Die Zitate sind jeweils in einer Fußnote erläutert oder kommentiert. Im Zusammenspiel mit den historischen Apfelsorten, die für die Zerstörung der Artenvielfalt durch – auch als Auswirkung des Landraubs entstehenden – Monokulturen sensibilisieren, zeichnen sie das Bild einer unermesslichen Gier, die unermessliches Leid in der Welt produziert.

„In der Landfrage verknüpfen sich die zentralen Bereiche der gesellschaftlichen Naturverhältnisse wie Ernährung, Mobilität, Wohnen, Energie“, sagt Ines Doujak. Ihre Arbeit solle deutlich machen, dass die Praxis des Landraubs kein erst in der Gegenwart aufgekommenes Phänomen sei, „sondern vielmehr eine historisch spezifische Ausprägung eines Prozesses, in dem die gesellschaftliche Nutzung von Natur untrennbar mit kolonialen und postkolonialen Verhältnissen von Macht, Herrschaft und Ausbeutung verknüpft ist“. Das heiße auch, so die Künstlerin, dass „der Zugang zu Land und die Kontrolle darüber [...] nicht erst das Ergebnis von globalen Nahrungsmittelpreiskrisen, Klima- und Finanzkrisen“ seien, sondern „Ausdruck dieses Prozesses“.
(Cornelia Offergeld)



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